Projektbeispiel: Historische Nutzungsrecherche und orientierende Erkundung
eines Schrottumschlagplatzes in einem Wasserschutzgebiet
Aufgabenstellung:  
  Der untersuchte Standort wurde über dreißig Jahre von einer mittlerweile nicht mehr existenten Firma zur Schrottverwertung genutzt. Altlastenverdachtsmomente waren offensichtlich. Die Fläche war in öffentlichem Eigentum und bisher an den Vornutzer verpachtet worden.
Unser Auftraggeber wollte die Fläche kaufen und bei ähnlicher Nutzung mit moderner Recyclingtechnik weiterbetreiben. Dazu sollten Umbauten vorgenommen werden, die nur mit erheblichen Bodenbewegungen möglich waren.
Der Auftraggeber und der bisherige Besitzer wollten eine solide Kostenschätzung für die Entsorgung des wahrscheinlich verunreinigten Bodens, der bei den Baumaßnahmen anfällt sowie der möglicherweise aufgrund der Gefährdung des Grundwassers durchzuführenden Boden- und Grundwassersanierungen.
Dazu sollte eine detaillierte Archivrecherche durchgeführt werden, in der die zahlreichen Havarien mit umweltgefährdenden Schadstoffen, die wiederholten Umbauten und dadurch veränderten Nutzungsflächen sowie die Art der freigesetzten Schadstoffe ermittelt werden. Auf diesen Erkenntnissen sollte dann das Erkundungskonzept basieren. So war es möglich, den Erkundungsaufwand (Bohrungen, chemische Untersuchungsparameter, Probenanzahl) bei maximaler Aussagekraft möglichst gering zu halten.
Eckdaten:  
  Flächengröße: ca. 1,6 ha
  Altlastenrelevante Nutzung seit 1970
  Lage innerhalb eines Wasserschutzgebietes
  reine Gewerbenutzung
  umfassendes Schadstoffinventar
  15.000 € Untersuchungskosten
  Grundstücksbewertung
Durchführung:  
  Historische Recherche anhand von:
  Bauaktenarchiven, Umweltarchiven
  Karten des Zeitraumes von 1908 bis 1998
  diverse Umweltgutachten
  Technische Erkundung anhand von
  17 Kleinrammbohrungen
  4 Grundwassermessstellen
  234 Einzelanalysen
  12 chem. Untersuchungsparameter
  Kostenschätzung
  ~ 165.000 € für Entsorgung von kontaminiertem Boden aus Umbaumaßnahmen
  ~ 265.000 € für die oberflächennahe Bodenreinigung
  ~ 110.000 € für die Entsorgung der kontaminierten Bodenversiegelung
  ~ 140.000 € für die wahrscheinlich notwendige Sanierung des Grundwassers
  ~ 240.000 € für die weniger wahrscheinlich nötige Sanierung des Grundwassers
   
Ergebnisse:  
  Infolge der hohen Abnutzung der Zerkleinerungsmaschinen (Scheren, Shredder, Pressen, Kraftstoffablassstation) und der Umbauten der Infrastruktur kam es zu mehrfachen Umstellungen der Anlagen und Nutzungsschwerpunkte auf dem Standort. Weiterhin erfolgte ein sehr sorgloser bis teilweise krimineller Umgang mit wassergefährdenden Stoffen. Durch seine Lage im Wasserschutzgebiet und die unvollkommene Bodenversiegelung erhielt der Standort damit eine besondere Brisanz. Es wurden schließlich 13 Hauptverdachtsflächen ermittelt.
Trotz eines relativ geringen technischen Aufwandes führte die Verknüpfung der Ergebnisse aus der historischen Recherche mit denen der orientierenden Erkundung zu einer optimal nachvollziehbaren Altlastenbeschreibung des Standortes.
Am Ende konnten zwei wesentliche Verdachtsbereiche ausgewiesen werden:
  Oberflächenah verunreinigter Boden ohne Gefährdung des Grundwassers
  Tiefgründig kontaminierter Boden, der das Grundwasser gefährdet und ggf. einer Sanierung unterzogen werden muss.
  Zu beiden Verdachtsbereichen konnten die entsprechenden Sanierungskosten mit verschiedenen Berechnungsvarianten abgeschätzt werden, so dass der Grundstückskäufer eine maximale Planungssicherheit erhielt.
 
Folgerungen:  
  Der Käufer legte nach Abschätzung der Risiken eine Bebauungsplanung vor, auf dessen Grundlage eine Detailuntersuchung der verbliebenen vier Verdachtsflächen durchgeführt wurde. Die Sanierungsziele wurden auf Grundlage der geplanten Nutzung und der speziellen Standortbedingungen neu formuliert und mit den Behörden abgestimmt.
Darauf wurde das entsprechende Sanierungskonzept erstellt und darauf basierend die Sanierungskostenschätzung konkretisiert, was dann zur Kaufentscheidung des AG führte.

Durch geschicktes und termintreues Sanierungsmanagement konnte der geschätzte Kostenaufwand mit nur 10 % Abweichung eingehalten werden.
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